70 km Weitwandern: Meine ehrliche Hike-Deluxe-Erfahrung
70 Kilometer zu Fuß. Weitwandern an einem einzigen Tag. Wenn mir das vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, hätte ich wahrscheinlich gedacht: Warum sollte man sich das freiwillig antun? Heute kann ich die Frage beantworten. Keine Ahnung. Okay, Spaß beiseite. Ein bisschen zumindest. Ich glaube, ich möchte einfach wissen, was ich alles schaffen kann. Ich mag Herausforderungen. Ich mag dieses Gefühl, wenn ich merke, dass mein Körper mehr kann, als mein Kopf ihm manchmal zutraut. Und ich liebe es, beim Laufen einfach mal an nichts denken zu müssen. Kein Job. Kein Haushalt. Kein Alltagsstress. Nur ich, die Strecke und irgendwann die Frage: Wie viele Kilometer sind es eigentlich noch bis zur nächsten Verpflegungsstation? Am 5. September bin ich zum zweiten Mal beim Hike Deluxe bei Leipzig gestartet. Geplant waren ungefähr 68 Kilometer. Meine Garmin zeigte am Ende: 70,05 Kilometer. 15 Stunden und 44 Minuten. Und ja, irgendwann dachte ich wirklich: Nie wieder. Aber das habe ich nach meinen anderen Märschen auch gesagt. Also warten wir mal ab. In diesem Artikel möchte ich dir nicht erzählen, wie perfekt man sich auf einen 70-km-Marsch vorbereitet. Denn wenn ich ehrlich bin, waren wir alles andere als perfekt vorbereitet. Ich möchte dir erzählen, wie es wirklich war. Was richtig gut funktioniert hat, was ich völlig unterschätzt habe, was ich gegessen und mitgenommen habe, warum Musik für mich irgendwann wichtiger war als jedes Motivationsgequatsche und warum meine beiden großen Zehen momentan vermutlich überlegen, meinen Körper zu verlassen. Falls du selbst einmal einen Mammutmarsch, Megamarsch oder eine andere lange Strecke wandern möchtest, kannst du aus meinen Erfahrungen vielleicht einiges für dich mitnehmen. Und aus meinen Fehlern bitte auch.😅
Wie ich überhaupt auf die Idee kam, solche Strecken zu laufen
Mein erster richtig langer Marsch war ein Mammutmarsch in Leipzig über 55 Kilometer. Und was soll ich sagen? Der hat mich angefixt. Danach folgte mein erster Hike Deluxe über 70 Kilometer. Den bin ich tatsächlich allein gestartet. Unterwegs habe ich tolle Menschen kennengelernt, die mich gerade gegen Ende unglaublich motiviert und ein Stück weit mitgezogen haben. Das ist übrigens etwas, was mich an solchen Veranstaltungen immer wieder begeistert. Ich bin ziemlich kontaktfreudig und komme schnell mit anderen ins Gespräch. Und ich finde es teilweise unglaublich beeindruckend, welche Menschen dort unterwegs sind. Für mich geht es mittlerweile nicht mehr nur darum, Gewicht zu verlieren oder Sport zu machen, weil man eben Sport machen „sollte“. Ich möchte mit meinem Körper etwas erleben können. Und ich möchte wissen, was noch alles in mir steckt.
Mein zweiter Hike Deluxe: 70 km rund um Leipzig
Dieses Mal bin ich nicht allein gestartet, sondern gemeinsam mit einer Freundin. Unser Startpunkt war Engelsdorf bei Leipzig. Um 7:33 Uhr ging es los. Unser Plan: ungefähr 68 Kilometer. Das Ende der Geschichte kennen wir inzwischen: 70,05 Kilometer. Und irgendwie wussten wir beide schon morgens, obwohl wir es nicht ausgesprochen haben: Wir brechen hier heute nicht ab. Dabei hätte unsere Vorbereitung durchaus besser sein können. Sehr viel besser sogar.
Unsere Vorbereitung auf 70 km? Ähm … ausbaufähig
Eigentlich wollten wir vor dem Hike noch ein paar längere Strecken laufen. Eigentlich. Du kennst dieses Wort vielleicht. Alltag, Arbeit, Termine und plötzlich war die Zeit weg. Wirklich regelmäßig lange Trainingsstrecken haben wir vorher nicht geschafft. Ich bin ungefähr zwei Wochen vor dem Hike noch einmal 28 Kilometer gelaufen. Und danach war ich fix und fertig. Das ist rückblickend schon ein bisschen lustig: Nach 28 Kilometern völlig erledigt sein und zwei Wochen später morgens aufstehen und sagen: „Komm, heute machen wir 68.“ Was soll schon schiefgehen? 🙃 Wir sind trotzdem relativ entspannt gestartet. Unser Gedanke war: Wir laufen einfach. Wenn wir es schaffen, schaffen wir es. Und wenn nicht, dann eben nicht. Aber ganz tief drin wussten wir wahrscheinlich beide: Aufgeben werden wir heute nicht.
Was ich bei meiner nächsten langen Strecke anders machen würde
Gerade meine Hüfte würde ich in der Vorbereitung nicht noch einmal so vernachlässigen. Ich wusste vorher sogar, dass sie mir Probleme machen könnte. Trotzdem habe ich mich nicht besonders darauf konzentriert. Das habe ich später deutlich gemerkt. Wenn ich mich noch einmal auf eine vergleichbare Belastung vorbereite, würde ich mein Training insgesamt gezielter auf die Anforderungen abstimmen und längere Trainingsstrecken rechtzeitig einplanen. Nicht erst zwei Wochen vorher denken: Ach komm, 28 km werden schon reichen. 🫣
Perfektes Wanderwetter und unsere ersten 40 Kilometer
Vor dem Marsch hatten wir vor allem wegen des Wetters etwas Sorge. In den Tagen zuvor hatte es immer wieder geregnet und wir hatten schon Bilder von komplett aufgeweichten Waldwegen im Kopf. Zum Glück war das überhaupt nicht der Fall. Wir hatten Sonne, Wolken und Wind und ungefähr 20 Grad. Für mich war das nahezu perfekt. Es war nicht kalt, aber auch nicht heiß. Trotzdem habe ich ordentlich geschwitzt. Und dann liefen wir einfach.

Die ersten Kilometer liefen sich richtig gut. Teilweise waren wir mit ungefähr 5,5 bis 6 km/h unterwegs. Und ich dachte tatsächlich: Läuft doch. Tja. Es waren ja auch nur noch ungefähr 60 Kilometer.
Unsere Strategie: Nie an die ganzen 70 km denken
Etwas haben wir von Anfang an gemacht, was mir mental enorm geholfen hat: Wir haben die Strecke in kleine Abschnitte geteilt. Beim Hike gab es verschiedene Verpflegungsstationen, kurz VP. Dort mussten wir uns jeweils einen Stempel holen, der bestätigte, dass wir die entsprechende Strecke tatsächlich gelaufen waren. Und genau diese VPs wurden unsere kleinen Ziele. Ich habe nicht ständig gedacht: Noch 50 Kilometer. Sondern: Bis zum nächsten Verpflegungspunkt. Dort angekommen: Okay. Jetzt bis zur nächsten. Und wieder weiter.💪 Das klingt im Kopf einfach machbarer. Dieses Prinzip benutze ich übrigens auch bei anderen Herausforderungen: Nicht ständig den ganzen Berg anschauen. Erstmal den nächsten Schritt machen. Bei einem 70-km-Marsch wurde mir ziemlich eindrucksvoll gezeigt, wie gut das funktionieren kann.
Was ich bei einem langen Marsch esse und trinke
Wir haben jede Verpflegungsstation mitgenommen, aber ich habe dort nicht besonders viel gegessen. Nicht, weil Essen auf langen Strecken grundsätzlich schlecht wäre. Ganz im Gegenteil: Bei einer Belastung über viele Stunden braucht der Körper ausreichend Flüssigkeit und Energie. Ich weiß aber mittlerweile ziemlich gut, welche Lebensmittel ich unterwegs vertrage und welche nicht. Bei manchen typischen Angeboten wie Weizenbrötchen, Wiener oder Gewürzgurken bekomme ich beispielsweise schnell einen Blähbauch. Und ganz ehrlich: Wenn du noch zig Kilometer laufen musst, möchtest du nicht unbedingt zusätzlich Verdauungsprobleme bekommen. Deshalb hatte ich meine eigene Verpflegung dabei.
Unter anderem:

Nudeln mit Pesto
Die Zitrone habe ich immer wieder in mein Wasser gegeben. Einfach weil mir Wasser nach Stunden irgendwann langweilig wird und ich so etwas Geschmack hatte. Mein persönliches Learning nach mehreren langen Märschen ist deshalb nicht: Iss möglichst wenig.
Sondern:
Nimm Lebensmittel mit, von denen du bereits weißt, dass dein Körper sie unter Belastung gut verträgt.
Ich würde auch am Tag eines solchen Marsches keine wilden Ernährungsexperimente starten.
Und am Vorabend esse ich persönlich lieber leichter und vertraut, statt meinen Körper noch mit einer riesigen schweren Mahlzeit zu beschäftigen.
Meine Packliste fürs Weitwandern: Was sich wirklich bewährt hat
Nach mittlerweile drei längeren Märschen habe ich bei meiner Ausrüstung einiges gelernt. Und besonders bei meinen Füßen.
Oh mein Gott, die Füße…🫠
Für diesen Hike hatte ich unter anderem dabei:

- Laufschuhe
- spezielle Socken (3 Paar zum wechseln)
- Pads für die Füße
- Wechselkleidung
- Rucksack
- Trinkflasche
- eigene Verpflegung
- Elektrolyte
- Zitrone fürs Wasser
- Sonnenbrille
- Kopfhörer
- Handy
- Powerbank und Ladekabel
- Feuchttücher
- Stirnlampe
Meine genaue Ausrüstung werde ich dir noch ausführlicher zeigen, denn ein paar Sachen waren für mich wirklich Gold wert.
Meine beste Investition: Freisocken und Fußpads
Aus meinen vorherigen Märschen hatte ich gelernt, dass ich meine Füße besser vorbereiten muss. Deshalb habe ich meine Füße vorher regelmäßig eingecremt und dieses Mal zusätzlich Pads direkt auf der Haut getragen. Darüber kamen meine Freisocken. Und ganz ehrlich: Beste Investition. Wirklich. Denn trotz 70,05 Kilometern hatte ich nicht eine einzige Blase. Nicht eine. Damit hatte ich bei so einer langen Strecke ehrlich gesagt selbst nicht gerechnet. Meine großen Zehen waren zwar ein anderes Thema, weil die schon vom Joggen vorgeschädigt waren. Aber was Blasen angeht, haben die Pads zusammen mit den Socken bei mir richtig gut funktioniert. Deshalb gehören beide Sachen für mich bei einem langen Marsch definitiv wieder zur Ausrüstung.
Die Powerbank würde ich ebenfalls nie zu Hause lassen
Mein Handy musste ich während des Marsches zweimal laden. Kein Wunder, wenn Navigation läuft und ich gefühlt einen halben Tag Musik höre. Meine anderen Geräte hatte ich vorher vollständig geladen und musste sie unterwegs nicht nachladen. Bei einer Tour, die über viele Stunden geht und bis in die Dunkelheit reichen kann, gehört eine Powerbank für mich deshalb definitiv in den Rucksack.
Ohne Musik? Bei mir geht irgendwann gar nichts mehr
Ungefähr bei Kilometer 20 habe ich gemerkt: Ich brauche meine Musik. Musik motiviert mich grundsätzlich beim Sport. Egal ob Laufen oder andere Workouts. Ohne Musik fehlt mir irgendwann etwas. Und für lange Märsche habe ich sogar eine eigene Spotify-Playlist. Sie übrigens heißt: „68 km“ 🤣. Die habe ich mir ursprünglich für meinen ersten Hike Deluxe zusammengestellt, weil ich wusste, dass ich damals allein starten würde. Beim jetzigen Hike habe ich mich wieder daran erinnert. Kopfhörer rein. Musik an. Meine Freundin irgendwann ebenfalls.

Natürlich hältst du ein Tempo um 6 km/h nach vielen Stunden nicht einfach unbegrenzt durch. Irgendwann sagen deine Beine ziemlich deutlich:
Celia. Reicht jetzt.
Aber für einige Kilometer hat die Musik mich wieder richtig gepusht.
Nach elf Stunden konnte selbst meine Playlist mich mal
Nach gefühlt elf Stunden Musik kannte ich jedes Lied. Ich wusste schon, welches als Nächstes kommt. Und ungefähr ab Kilometer 50 passierte etwas Merkwürdiges: Die Kilometer wurden einfach nicht mehr weniger. Natürlich wurden sie weniger. Aber es fühlte sich nicht so an. Ein Kilometer konnte plötzlich verdammt lang sein. Musik half irgendwann nicht mehr wirklich. Jetzt mussten wir uns gegenseitig motivieren.
Ab Kilometer 50 wurde es richtig hart
Bis ungefähr Kilometer 40 lief es wirklich gut.

Danach meldete sich mein Körper zunehmend. Als Erstes meine Hüfte. Später kam der untere Rücken dazu. Meine Wade machte Probleme und meine Oberschenkel fühlten sich zeitweise an, als stünden sie kurz vor einem Krampf. Und irgendwann kamen meine Zehen. Meine beiden großen Zehen waren allerdings schon vorher angeschlagen. Beim Joggen hatte ich in der Vergangenheit vermutlich zu kleine oder ungeeignete Schuhe getragen und dadurch immer wieder Druck auf den Zehen gehabt. 70 Kilometer haben die Situation nicht unbedingt verbessert. Sagen wir es so: Meine beiden großen Zehennägel überlegen gerade vermutlich, ob sie meinen Körper in den nächsten Tagen verlassen. Mehr Details möchtest du wahrscheinlich nicht. Und genau deshalb gehört für mich zur Vorbereitung eines langen Marsches inzwischen nicht nur: Kann ich konditionell so weit laufen? Sondern auch: Sind Schuhe, Socken und Füße wirklich für diese Belastung vorbereitet?
„Ey komm, sind nur noch sechs Kilometer.“
Irgendwann wurde es stockdunkel. Wir waren im Wald, wir waren fertig und die Beine wollten nicht mehr. Und trotzdem sagten wir uns gegenseitig immer wieder: „Ey komm. Sind nur noch sechs Kilometer.“ Unterwegs hatten wir auch Teilnehmer gesehen, die abgebrochen hatten und sich abholen ließen. Taxis fuhren an uns vorbei. Und natürlich hätte es grundsätzlich Möglichkeiten gegeben, einen Marsch abzubrechen. Aber für uns kam das in diesem Moment einfach nicht infrage. Ich dachte: Der erste Hike war schlimmer. Also weiter. 😖 Wir schaffen das schon. Und dann kam noch ein ziemlich pragmatischer Gedanke: Wie doof wäre es denn jetzt aufzuhören? Die Zehennägel sind eh schon futsch. Also konnte ich auch weiterlaufen.
Aufgeben hätte nicht nur mich betroffen
Es gab aber noch einen anderen Gedanken. Ich war diesmal mit meiner Freundin unterwegs. Sie wollte ebenfalls nicht aufgeben und wenn ich jetzt sage: Ich kann nicht mehr. Was macht sie dann? Läuft sie allein weiter? Oder hört sie wegen mir ebenfalls auf? Ich hatte plötzlich so viele Gedanken Im Kopf und da war für mich ziemlich schnell klar: Nee. Das mache ich nicht. Wir waren gemeinsam gestartet und wir wollten gemeinsam ins Ziel.🩶 Also haben wir uns gegenseitig weitergeschoben. Nicht wortwörtlich. Obwohl das gegen Ende vielleicht ganz praktisch gewesen wäre, für mich 😆
Der letzte Kilometer war gefühlt der längste von allen
Irgendwann waren es nur noch wenige Kilometer. Dann nur noch einer. Und ausgerechnet dieser letzte Kilometer fühlte sich ewig an. Ich wollte einfach nur noch nach Hause 😭. Und dann hatte ich einen Gedanken, der wahrscheinlich nicht in irgendeinem Motivationsratgeber steht: Wenn ich jetzt noch langsamer laufe, dauert es ja noch länger. Zähne zusammenbeißen und Laufen. Irgendwann ist es vorbei. Lauf einfach. Und irgendwann war es tatsächlich vorbei.
70,05 km geschafft: Meine Garmin-Daten
Am Ende zeigte meine Garmin
Distanz: 70,05 km
Gesamtzeit: 15:44:20 Stunden
Ø Pace: 13:29 min/km
Ø Herzfrequenz: 124 bpm

Wir waren morgens um 7:33 Uhr gestartet. Die Garmin-Daten zeigen für mich aber nur einen kleinen Teil der Geschichte. Sie zeigen nicht, wie gut sich die ersten 40 Kilometer angefühlt haben. Sie zeigen nicht, wie lang plötzlich ein Kilometer werden kann. Sie zeigen nicht den dunklen Wald und sie zeigen nicht meine Freundin neben mir. Und sie zeigen definitiv nicht, was meine Zehen davon halten.😆 aber das erspare ich euch!
Und im Ziel? sagte ich zu mir „Nie wieder.“
Man könnte jetzt natürlich einen wunderschönen emotionalen Zieleinlauf daraus machen. Ich falle meiner Freundin um den Hals. Tränen. Gänsehaut. Musik. Ich habe meine Grenzen besiegt. Nein. So war es nicht ! Wir waren beide einfach nur froh endlich angekommen zu sein. Natürlich war es ein gutes Gefühl, angekommen zu sein. Ich war erleichtert und stolz, dass wir es gemeinsam geschafft hatten. Aber gleichzeitig dachte ich ziemlich schnell: Nie wieder. Diese Distanz ist wirklich nicht zu unterschätzen. Das Problem ist nur: Das habe ich nach meinen anderen Märschen auch gesagt.
Die Regeneration nach 70 km habe ich nicht unterschätzt und trotzdem ordentlich gespürt
Während ich diesen Artikel beziehungsweise meine Gedanken dazu sammle, liege ich im Bett. Mein Nacken ist vom Rucksack verspannt. Mein Körper ist platt. Die Zehen sehen aus, als hätten sie ihre eigene Geschichte zu erzählen, und wegen meiner angeschlagenen großen Zehen überlege ich, sie fachärztlich anschauen zu lassen. Zum Glück habe ich noch ein paar Tage frei. Denn eines kann ich ziemlich sicher sagen: Ich könnte am nächsten Morgen nicht einfach ins Büro fahren und so tun, als wäre nichts gewesen. Wenn du einen sehr langen Marsch planst, würde ich deshalb nicht nur überlegen: Wie bekomme ich den Veranstaltungstag frei? Sondern auch: Wie sieht meine Regeneration danach aus? Je nach Trainingszustand und individueller Reaktion kann der Erholungsbedarf natürlich völlig unterschiedlich sein. Aber nach meiner Erfahrung würde ich mir nach einer solchen Distanz bewusst Zeit geben und Beschwerden nicht einfach ignorieren.
Warum ich mir solche Märsche überhaupt antue
Das habe ich mich selbst gefragt. Und meine Antwort ist eigentlich ziemlich einfach: Ich möchte wissen, was ich alles schaffen kann. Aber es steckt noch mehr dahinter. Beim Wandern und Laufen bekomme ich meinen Kopf frei. Ich denke nicht ständig über Arbeit nach. Nicht über Termine. Nicht über den Alltag. Irgendwann existiert nur noch: der nächste Kilometer. Und ich mag die Menschen, die ich bei solchen Veranstaltungen treffe. Wenn ich ältere Teilnehmer sehe, die diese Strecken bewältigen, beeindruckt mich das unglaublich. Ich möchte später nicht einfach nur sagen können: Früher war ich mal fit. Ich möchte möglichst lange körperlich und geistig fit bleiben. Das ist inzwischen einer meiner größten Gründe, warum Bewegung für mich so wichtig geworden ist.
Von einem Kilometer außer Atem zu 70 Kilometern
Dieser Gedanke trifft mich wahrscheinlich am meisten. Als ich Anfang 2024 angefangen habe, mein Leben zu verändern, war Joggen für mich richtig anstrengend. Nach ungefähr einem Kilometer war ich teilweise komplett außer Atem. Also fing ich anders an. Ich ging schnell spazieren. Dann wurden die Strecken länger. Irgendwann kam Joggen dazu. Später schaffte ich 17 Kilometer. Dann meinen ersten langen Marsch. Und jetzt: 70,05 Kilometer. Ich erzähle dir das nicht, damit du morgen 70 Kilometer laufen gehst. Bitte nicht.Ich erzähle es dir, weil ich selbst manchmal kaum glauben kann, wie viel sich verändern kann, wenn man irgendwo anfängt und weitermacht.
Meine wichtigsten Learnings nach 70 km Weitwandern
Wenn ich meine Erfahrungen aus Mammutmarsch und Hike Deluxe heute zusammenfassen müsste, wären es diese:
- Unterschätze deine Füße nicht. Gute, passende Schuhe, Socken und eine durchdachte Fußpflege können auf langen Strecken enorm wichtig sein.
- Trainiere nicht nur deine Ausdauer. Ich würde beim nächsten Mal meine persönlichen Schwachstellen, bei mir besonders die Hüfte, gezielter berücksichtigen.
- Teste Essen und Ausrüstung vorher. Kilometer 55 ist kein besonders guter Zeitpunkt für Experimente.
- Nimm eine Powerbank mit. Mein Handy musste ich zweimal laden.
- Teile die Strecke mental auf. Nicht 70 km denken. Erstmal bis zur nächsten VP.
- Finde heraus, was dich motiviert. Bei mir ist es Musik. Meine „68 km“-Playlist hat mich über viele Kilometer begleitet.
- Plane die Zeit danach mit ein. Die Belastung endet nicht automatisch an der Ziellinie.
- Du musst niemandem etwas beweisen. Abbrechen ist kein persönliches Versagen. Gesundheit und Sicherheit gehen vor. Ich wollte an diesem Tag weiter und konnte weitergehen. Das kann bei einem anderen Menschen oder an einem anderen Tag ganz anders aussehen.
Wandern für Anfänger: Du musst nicht mit 70 km anfangen
Falls du diesen Artikel liest und gerade erst mit dem Wandern oder längeren Strecken beginnst: Bitte vergleich deinen Anfang nicht mit meinen heutigen 70 Kilometern. Meine Geschichte begann auch nicht dort. Ich war irgendwann nach ungefähr einem Kilometer Joggen aus der Puste. Dann bin ich eben gegangen. Genau deshalb finde ich den Gedanken so wichtig: Fang dort an, wo du gerade bist. Vielleicht sind es fünf Kilometer. Vielleicht zehn. Vielleicht irgendwann 20. Und vielleicht hast du überhaupt keine Lust auf einen Mammutmarsch oder Hike Deluxe. Auch völlig okay. Es geht nicht darum, dass jeder Mensch 70 Kilometer laufen muss. Es geht darum herauszufinden: Was möchtest du schaffen?
Mein Fazit nach 70 km: Irgendwann ist es vorbei. Lauf einfach.
Ich hatte während dieses Marsches viel Zeit zum Nachdenken. Okay, irgendwann habe ich eigentlich gar nicht mehr gedacht. Aber ein Gedanke ist geblieben: Irgendwann ist es vorbei. Lauf einfach. Manchmal braucht es keinen perfekten Motivationsspruch. Keinen 12-Wochen-Plan. Keine Person, die einen an die Hand nimmt. Manchmal braucht es nur das nächste kleine Ziel. Die nächste Verpflegungsstation 😄. Die nächsten sechs Kilometer oder den nächsten Kilometer. Und irgendwann stehst du da und hast etwas geschafft, von dem du früher nicht einmal wusstest, ob du es überhaupt kannst. Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich diese Märsche immer wieder reizen. Nicht die Zahl auf der Garmin. Sondern diese eine Frage: Was kann ich eigentlich noch alles schaffen? Ich weiß es noch nicht. Aber genau das möchte ich herausfinden. Und wenn ich irgendwann tatsächlich auf einer Pilgerroute oder irgendwo im Erzgebirge mit ordentlich Höhenmetern unterwegs bin, werde ich wahrscheinlich wieder fluchen, Musik hören und mir sagen: „Celia, lauf einfach.“Und hinterher wahrscheinlich: „Nie wieder.“
Bis mir die nächste Idee kommt 🧡
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